Retouren gehören zum E-Commerce – aber auf Otto fühlen sie sich für viele Händler besonders schmerzhaft an.
Dieser Guide erklärt, wie das Otto-Rücksendelabel-System funktioniert, was Retouren wirklich kosten und welche Strategien nachweislich helfen.
Auf einen Blick
Retourenkosten: 5–10 € pro Artikel (EHI-Studie 2024)
Fashion-Quote: 26–50 % branchenweit
Otto-Besonderheit: Rücksendelabel muss vorab bereitgestellt werden
Das Otto-Rücksendelabel-System
Otto handhabt Retouren anders als andere Marktplätze. Das System hat direkte Auswirkungen auf dein Retourenverhalten.
So funktioniert es technisch
Bei jeder Bestellung auf Otto Market musst du als Händler eine RetourenTrackingId bereitstellen – noch bevor das Paket beim Kunden ankommt.
- Pflicht: Ohne RetourenTrackingId akzeptiert Otto den Versand nicht
- Konsequenz: Ohne gültige ID erfolgt keine Auszahlung
- Wichtig: Das Retourenlabel darf nicht ins Paket gelegt werden
- Ablauf: Der Kunde kann das Label jederzeit auf otto.de ausdrucken
Der Unterschied zu anderen Marktplätzen
Bei Amazon muss der Kunde erst den Support kontaktieren oder die Retoure im Kundenkonto anmelden. Bei Otto ist das Rücksendelabel bereits hinterlegt und mit wenigen Klicks abrufbar.
Warum das relevant ist
Die niedrige Hürde für Retouren kann dazu führen, dass Kunden schneller zurücksenden – manchmal ohne das Produkt überhaupt zu testen. In Händlerforen berichten einzelne Verkäufer von Paketen, die ungeöffnet zurückkamen.
Hinweis: Es gibt keine offiziellen Vergleichszahlen zu Otto-spezifischen Retourenquoten. Die Erfahrungen variieren stark je nach Sortiment.
Was Retouren wirklich kosten
Die EHI-Studie 2024 (146 befragte Onlinehändler in der DACH-Region) zeigt die Kostenverteilung:
| Kosten pro Retoure | Anteil der Händler |
|---|---|
| bis 5 € | 18 % |
| 5–10 € | 30 % |
| 10–20 € | 26 % |
| 20–50 € | 4 % |
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg hat branchenspezifische Durchschnittswerte ermittelt:
| Branche | Ø Kosten pro Retoure |
|---|---|
| Fashion | ~5 € |
| Sport & Freizeit | ~10 € |
| Wohnen & Einrichten | 10–20 € |
| Consumer Electronics | ~15 € |
Rechenbeispiel: Fashion-Artikel
Wie stark wirken sich Retouren auf deinen Gewinn aus? Ein realistisches Beispiel:
Beispiel: T-Shirt für 39,90 € (brutto)
Kalkulation pro Verkauf:
Einkaufspreis: 15,00 €
Otto Provision (16 %): 6,38 €
Versand an Kunden: 4,50 €
Verpackung: 0,80 €
Deckungsbeitrag: 13,22 €
# Szenario: 100 Verkäufe bei 30 % Retourenquote
Erfolgreiche Verkäufe: 70
Retouren: 30
Einnahmen: 70 × 13,22 € = 925,40 €
Retourenkosten: 30 × 5 € = 150,00 €
Tatsächlicher Gewinn: 775,40 €
(Ohne Retouren wären es 1.322,00 €)
→ 41 % weniger Gewinn durch Retouren
Die 5 € pro Retoure beinhalten: Rückversand, Prüfung, Wiedereinlagerung. Bei beschädigter oder nicht wiederverkaufsfähiger Ware fallen zusätzliche Kosten an.
Retourenquoten im Überblick
Die EHI-Studie 2024 und handelsdaten.de liefern aktuelle Branchenzahlen:
| Kategorie | Retourenquote |
|---|---|
| Fashion & Accessoires | 26–50 % |
| Zalando (offiziell) | ~50 % |
| Sport & Freizeit | 15–25 % |
| Wohnen & Einrichten | 10–20 % |
| Elektronik | 5–15 % |
65 % der Fashion-Händler geben an, dass mehr als jeder vierte Artikel retourniert wird. In Einzelfällen erreichen Händler Quoten von bis zu 75 %.
5 Strategien die nachweislich helfen
Die EHI-Studie 2024 hat Händler nach den wirksamsten Maßnahmen gefragt. Hier die Top-Strategien:
1. Detaillierte Produktinformationen (86 % Zustimmung)
86 % der befragten Händler sehen detaillierte Produktinformationen als wichtigste Maßnahme zur Retourensenkung.
- Vollständige Materialangaben (Zusammensetzung, Pflegehinweise)
- Exakte Maße statt nur S/M/L
- Hinweise wie „fällt größer/kleiner aus"
- Gewichtsangaben bei relevanten Produkten
Otto-Tipp
Otto selbst empfiehlt mindestens 2 Bilder pro Variante. Je mehr Perspektiven und Details du zeigst, desto besser können Kunden das Produkt einschätzen.
2. Hochwertige Produktbilder & Videos
Bilder sind oft der einzige Eindruck vor dem Kauf. Investiere in Qualität:
- Mindestens 4–6 Bilder pro Produkt
- Verschiedene Perspektiven (Front, Seite, Detail)
- Produkt am Model UND freigestellt
- Nahaufnahmen von Material und Verarbeitung
- Wenn möglich: 360°-Ansichten oder kurze Videos
3. Größenberatung & Fit-Finder
Bei Fashion sind falsche Größen der häufigste Retourengrund. Gegenmaßnahmen:
- Detaillierte Maßtabellen mit Körpermaßen
- Hinweise zum Schnitt („Slim Fit", „Regular", „Oversized")
- Vergleiche mit bekannten Marken wenn möglich
- Kundenbewertungen zur Passform prominent zeigen
4. Retouren-Gründe systematisch auswerten
Nur wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern:
- Bei jeder Retoure den Grund erfassen
- Muster erkennen: Wird ein Artikel besonders oft retourniert?
- Produkte mit hoher Quote überarbeiten oder aussortieren
- Otto-Praxis: „Wenn das System anschlägt, nehmen wir das Produkt sofort aus dem Shop", so Otto selbst
Praxis-Tipp: SKU-Level Tracking
Tracke Retourenquoten auf Artikelebene, nicht nur als Gesamtquote. Oft sind 20 % deiner Produkte für 80 % der Retouren verantwortlich.
5. Der „Umwelt-Ansatz"
Otto selbst nutzt diese Strategie erfolgreich:
„An das Umweltgewissen der Kunden zu appellieren, hat uns beim Retourenmanagement einiges gebracht."
— Otto Pressesprecher
Wenn ein Kunde auf otto.de drei oder mehr Größen desselben Artikels in den Warenkorb legt, erscheint der Hinweis „Der Umwelt zuliebe".
Was du daraus lernen kannst:
- Umwelthinweise in der Produktbeschreibung einbauen
- CO₂-Fußabdruck von Retouren kommunizieren
- Kunden ermutigen, vor der Bestellung genau zu prüfen
Weitere Hebel zur Retourenreduktion
Über die Top-5 hinaus gibt es weitere Ansätze:
Sichere Verpackung
43 % der Händler sehen das als wichtige Maßnahme. Beschädigte Ware = garantierte Retoure.
Persönliche Beratung
42 % setzen auf Kontaktmöglichkeiten vor dem Kauf (Chat, Telefon). Fragen klären bevor bestellt wird.
Qualitätskontrolle
Vor dem Versand prüfen: Stimmt Größe, Farbe, Zustand? Fehler hier kosten doppelt.
Sortiment überdenken
Manche Produkte haben systembedingt hohe Quoten. Lohnt sich der Artikel trotzdem?
Fazit
Retouren auf Otto sind nicht per se höher als auf anderen Marktplätzen – aber das Rücksendelabel-System macht es Kunden besonders einfach zurückzusenden.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Jede Retoure kostet 5–10 € (Fashion eher 5 €, Möbel 10–20 €)
- Bei 30 % Retourenquote sinkt dein Gewinn um ~40 %
- 86 % der Händler setzen auf bessere Produktinfos als wichtigste Maßnahme
- Tracking auf SKU-Ebene hilft, Problemprodukte zu identifizieren
Der Schlüssel liegt in der Prävention: Je besser der Kunde vor dem Kauf informiert ist, desto weniger Retouren entstehen.
Weiterlesen: Otto Gebühren 2026 – Alle Provisionen im Überblick →
Quellen & Studien anzeigen
EHI-Studie 2024: „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2024" – Onlinebefragung von 146 Händlern in der DACH-Region, Sommer 2024.
Retourenquoten: handelsdaten.de – Sortimentsspezifische Retourenquoten 2024
Branchenspezifische Kosten: Forschungsgruppe Retourenmanagement, Universität Bamberg
Zalando-Quote: t3n – „Rund 50 Prozent der Zalando-Pakete werden zurückgeschickt"
Otto Rücksendelabel-System: marcos software, eBakery, Sellerforum.de
Otto Umwelt-Strategie: Shopauskunft.de – „So hat Otto seine Retouren reduziert"